{"id":299,"date":"2017-01-22T23:51:46","date_gmt":"2017-01-22T23:51:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.stereoscopictures.com\/?page_id=299"},"modified":"2017-06-09T23:01:51","modified_gmt":"2017-06-09T23:01:51","slug":"neuschwanstein-3d","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/blog.stereoscopictures.com\/?page_id=299","title":{"rendered":"NEUSCHWANSTEIN \u2013 3D"},"content":{"rendered":"<p>Achim Bahr<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Hinweis zur Betrachtung<\/h2>\n<p align=\"justify\">Um den besonderen Effekt dieser dreidimensionalen Ansicht von Neuschwanstein hervorzurufen, legt man das Bild zun\u00e4chst waagerecht vor sich. Man h\u00e4lt den Rotfilter der Farbbrille vor das linke und den Gr\u00fcnfilter vor das rechte Auge und betrachtet das Bild aus einem <em>schr\u00e4gen<\/em> Blickwinkel von ca. 45\u00b0. Es wird richtig gesehen, wenn die Darstellung sich <em>aufrecht<\/em> und <em>gerade<\/em> aus der Bildfl\u00e4che erhebt. Der h\u00f6chste \u2014 achteckige \u2014 Turm erscheint dann etwa 11 cm gro\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 align=\"justify\"><\/h2>\n<h2 align=\"justify\">Neuschwanstein<\/h2>\n<p align=\"justify\">Die Abbildung zeigt die Schlossanlage aus s\u00fcdlicher Richtung von oben her. Vorne links erblickt man zun\u00e4chst den schlanken Palas, der in seinem charakteristischen Knick dem Verlauf des Felsenr\u00fcckens folgt. An seiner Westfront ist der doppelst\u00f6ckige Balkon des Thronsaales zu sehen, darunter eine T\u00fcr, die zu einer nicht ausgebauten Plattform f\u00fchren sollte; oberhalb des Balkons steht auf dem hohen, von zwei Eckt\u00fcrmchen eingefassten Giebel eine Ritterfigur mit Schild und Lanze.<\/p>\n<p align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-420 size-full\" src=\"http:\/\/blog.stereoscopictures.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/NeuschwansteinEmblem-1.gif\" alt=\"Neuschwanstein Emblem\" width=\"180\" height=\"292\" \/>\u00dcber dem Dach mit seinen Gauben und Kaminen erhebt sich an der Nordseite des Palas der minarettartige so genannte Achteckturm. Rechts des vorderen runden Turms befinden sich im Erdgeschoss die Terrasse der Schlossk\u00fcche und im dritten Stockwerk Balkon und Erker zum Schlafzimmer des K\u00f6nigs. An der Ostfassade des Palas ist eins der beiden achtseitigen Erkert\u00fcrmchen sichtbar und auf dem Dachgiebel ein L\u00f6we als Abschluss.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nach Osten schlie\u00dft sich vorne die erst 1892 fertiggestellte Kemenate an; in ihren steil abfallenden Fundamenten kann man zwischen dem abgewinkelten Treppenturm und dem hervorspringenden Risalit die \u00dcberbr\u00fcckung einer Felsenkluft erkennen. Hinter der Kemenate \u00f6ffnet sich der Obere Schlosshof, an dessen apsidenf\u00f6rmigen Br\u00fcstungsmauern noch der Chorumriss der urspr\u00fcnglich geplanten Kapelle deutlich wird. Da dieser Teil der Anlage \u2014 mit einem alles \u00fcberragenden Bergfried \u2014 nach dem Tod des K\u00f6nigs jedoch nicht mehr ausgef\u00fchrt wurde, ist die Sicht auf die n\u00f6rdlichen Geb\u00e4udeteile frei.<\/p>\n<p align=\"justify\">Vom Palas zum Viereckturm mit seinem weit ausladenden Umgang erstreckt sich ein schmaler Verbindungsbau, in den das dreist\u00f6ckige Ritterhaus eingegliedert ist; die zum Teil verdeckte Treppe vor dem Eingangsportal f\u00fchrt ins erste Stockwerk des Palas. Im Nordosten wird der tiefergelegene Untere Schlosshof von einem weiteren Verbindungsbau mit vorgelagertem Treppenaufgang sowie vom Torbau und seinen Eckt\u00fcrmen umgrenzt. Dieser Abschnitt des Bauwerks, der sich durch sein r\u00f6tlich gef\u00e4rbtes Gestein abhebt, war als erster fertiggestellt und wurde auch zeitweilig vom K\u00f6nig bewohnt; durch den Torbogen gelangen heute die Besucher ins Museum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Neuschwanstein und Ludwig II<\/h2>\n<p align=\"justify\">Neuschwanstein ist der seit 1891 gebr\u00e4uchliche Name der Neuen Burg Hohenschwangau, die auf Weisung K\u00f6nig Ludwigs II von Bayern \u00fcber den Fundamenten einer mittelalterlichen Burgruine am Rande der Alpen errichtet wurde. Es war das erste der drei gro\u00dfen Bauprojekte des K\u00f6nigs, dem noch die Schl\u00f6sser Linderhof und Herrenchiemsee folgten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Bei der Grundsteinlegung 1869 war Ludwig II gerade 24 Jahre alt und seit f\u00fcnf Jahren im Amt; die Fertigstellung der Schlossanlage erlebte er jedoch nicht mehr. Nach seinem r\u00e4tselhaften Tod 1886 im Starnberger See wurden nur noch die n\u00f6tigsten Bauma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt, wesentliche Teile der Schlossanlage aber nicht mehr verwirklicht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Obwohl unvollendet, geht doch von kaum einem anderen Bauwerk eine \u00e4hnliche Faszination aus. Der Grund hierf\u00fcr d\u00fcrfte wohl nicht allein in der Architektur und ihrer malerischen Umgebung zu suchen sein, sondern auch in der Person Ludwigs II selbst, mit dessen Verkl\u00e4rung zum tr\u00e4umerischen M\u00e4rchenk\u00f6nig sich schon zu seinen Lebzeiten die Vorstellung von Neuschwanstein als einem M\u00e4rchenschloss verband.<\/p>\n<p align=\"justify\">An der Planung und Gestaltung der Schlossanlage war der K\u00f6nig ma\u00dfgeblich und bis ins Detail beteiligt. Von vorne herein nicht zu repr\u00e4sentativen Zwecken gedacht, verk\u00f6rperte der Bau f\u00fcr ihn die Idee eines K\u00f6nigtums, das im 19. Jahrhundert l\u00e4ngst keine reale Entsprechung mehr fand. Ausgehend von historischen Vorbildern \u2014 u. a. der Wartburg \u2014 und unter dem Einfluss der Opernwelt Richard Wagners, wurden die ersten Entw\u00fcrfe f\u00fcr Neuschwanstein nach den W\u00fcnschen des K\u00f6nigs von einem Theatermaler angefertigt. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Ausspruch Ludwigs II, er wolle gar nicht wissen, wie es gemacht sei, sondern nur die Wirkung sehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">In dieser Absicht unternahm er seine legend\u00e4ren n\u00e4chtlichen Ausfl\u00fcge zur Br\u00fccke \u00fcber der P\u00f6llatschlucht, um sich von dort aus in den Anblick seines Schlosses zu versenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Neuschwanstein dreidimensional<\/h2>\n<p align=\"justify\">3D-Abbildungen folgen dem Prinzip des nat\u00fcrlichen Sehens mit zwei Augen: durch den Abstand, den sie zueinander haben, sieht das linke Auge einen Gegenstand aus einer etwas anderen Blickrichtung als das rechte. Diese beiden perspektivisch verschiedenen Ansichten werden im Gehirn zu einer einzigen, dreidimensionalen Wahrnehmung verschmolzen.<\/p>\n<p align=\"justify\">In der Technik der Stereoskopie wird dieser Vorgang mittels zweier Abbildungen nachgeahmt, die sich in ihrer Perspektive \u2014 dem Augenabstand entsprechend \u2014 unterscheiden. Um den 3D-Effekt herbeizuf\u00fchren, m\u00fcssen die beiden Bilder den Augen jedoch getrennt dargeboten werden, damit das linke Auge nur das linke und das rechte Auge nur das rechte Bild zu sehen bekommt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zu diesem Zweck kann man ein stereoskopisches Bildpaar in rot und gr\u00fcn \u00fcbereinander drucken und es dann mit einer Farbfilterbrille betrachten. Dabei wird im Gr\u00fcnfilter der Brille das gr\u00fcne und im Rotfilter das rote Bild unsichtbar und jedes Auge erh\u00e4lt so nur den jeweils ihm zugeordneten \u2014 gegenfarbigen \u2014 Bildteil. F\u00fcr das Gehirn entsteht daraus wie beim normalen Sehvorgang ein r\u00e4umlicher Eindruck.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nach dieser Methode wurde auch die vorliegende Abbildung von Neuschwanstein gedruckt. Sie unterscheidet sich allerdings von allen herk\u00f6mmlichen Stereobildern durch ihre erstaunliche und einzigartige Wirkung. Bei der Betrachtung des waagerecht liegenden Bildes mit der Rot\/Gr\u00fcn-Brille aus einem schr\u00e4gen Blickwinkel richtet sich die Darstellung auf und erhebt sich plastisch aus der Fl\u00e4che !<\/p>\n<p align=\"justify\">Diesem spektakul\u00e4ren Effekt liegen besondere Verzerrungen in der Wiedergabe zugrunde, die ohne 3D-Brille gut zu erkennen sind. Solche anamorphotischen Deformationen kommen unter nat\u00fcrlichen Bedingungen nicht vor und lassen sich auch mit photographischen Mitteln nicht erzielen. Da sie nur \u00fcber geometrische Berechnungen gewonnen werden k\u00f6nnen, musste die gesamte Schlossanlage zun\u00e4chst in einem aufwendigen Verfahren rekonstruiert werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hierzu wurden anhand originaler Baupl\u00e4ne und Architekturaufnahmen die Geb\u00e4udefassaden vermessen und mit Hilfe eines Computersystems zu einem ma\u00dfstabgetreuen Modell verarbeitet, das anschlie\u00dfend mit unz\u00e4hligen Einzelheiten angereichert wurde. Aus der F\u00fclle dieser Details sowohl der Schlossanlage als auch des Gel\u00e4ndes mit seinen vielf\u00e4ltigen B\u00e4umen und Str\u00e4uchern ergibt sich die photographisch anmutende Qualit\u00e4t der Darstellung. Doch erst bei der Berechnung der beiden stereoskopischen Perspektiven wurden dann im letzten Schritt jene notwendigen Verzerrungen vorgenommen, die diese frappierende, jede Photographie \u00fcbertreffende Plastizit\u00e4t erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Neuschwanstein von Achim Bahr<\/h2>\n<p align=\"justify\">Der K\u00fcnstler Achim Bahr, geboren 1956 in K\u00f6ln, besch\u00e4ftigt sich in seinen Arbeiten mit dem Ph\u00e4nomen der r\u00e4umlichen Wahrnehmung. Schon w\u00e4hrend seines Studiums an der Kunstakademie in D\u00fcsseldorf experimentierte er mit den M\u00f6glichkeiten dreidimensionaler Bildwiedergabe auf der Grundlage des zwei\u00e4ugigen Sehens. Seine stereoskopischen Gem\u00e4lde und Zeichnungen, die durch optische Vorrichtungen mit Spiegeln und Prismen betrachtet werden k\u00f6nnen, erregen auf Ausstellungen gro\u00dfe Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit einer speziellen Methode der perspektivischen Verzerrung, die auch bei dieser Ansicht von Schloss Neuschwanstein zur Anwendung kommt, gelingt es ihm, eine Einheit von Wissenschaft und Kunst herzustellen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Achim Bahr pr\u00e4gte f\u00fcr diesen ungew\u00f6hnlichen Bildtypus den Begriff \u201estereoskopische Anamorphose. Bereits 1981 ver\u00f6ffentlichte er die erste Grafik dieser Art, das Motiv eines Schachbretts, die heute ein seltenes Sammlerst\u00fcck geworden ist. F\u00fcr die Deutsche Bundespost fertigte er in dieser Technik das weltweit erste 3D-Schmuckblatt-Telegramm an und begeisterte damit eine breite \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit seiner stereoskopischen Anamorphose von Neuschwanstein setzt Achim Bahr einen neuen Meilenstein auf dem Gebiet dreidimensionaler Abbildungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Neuschwanstein \u2014 Stereoskopische Anamorphose<\/em><br \/>\n\u00a9 1994 Achim Bahr, D\u00fcsseldorf \/ Frohn Verlag, Essen<\/p>\n<p>ISBN 3-88578-333-9<br \/>\nAlle Rechte vorbehalten \u2014 Nachdruck verboten!<br \/>\n\u00a9 1994 FROHN VERLAG, ESSEN \u2014 GERMANY<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achim Bahr &nbsp; Hinweis zur Betrachtung Um den besonderen Effekt dieser dreidimensionalen Ansicht von Neuschwanstein hervorzurufen, legt man das Bild zun\u00e4chst waagerecht vor sich. 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